Rezension: Wie Monde so silbern von Marissa Meyer

Über dieses Buch hat man in letzter Zeit ja überall gaaanz viel gehört. Ich wollte es einfach unbedingt lesen. Ermöglicht hat mir das meine Engel-Mama hihi. Ich bin nämlich leider seid letzter Woche krank im Bett und zum Trost hat meine Mama mir dieses tolle Buch bestellt.
Am Montag klingelte dann endlich der Postbote. Kreischend bin ich zur Tür gelaufen. Der Mann in gelb hat sich wahrscheinlich gefühlt wie in der Zalando Werbung. Nur halt mich Büchern.
Also *ritsch-ratsch* Packung auf, Klarsichtfolie ab und da lag der Schatz in meinen Händen. Jupiiii!
Ich habe das Buch dann im Bett mit Tee und Freund-rund-um-sorglos-Paket an einem Tag von vorne bis hinten durchgelesen.








Letumose. Große blaue Flecken auf der Haut, Fieber, dann Tod. Das ist es, wo vor sich alle Fürchten. Der Virus, den noch niemand überlebt hat...
Auch Cinder fürchtet sich davor. Sie ist eine junge Frau, die mit ihrer Stiefmutter und ihren beiden Stiefschwestern 126 Jahre anch dem ersten Weltkrieg im asiatischen Staatenbund, genauer gesagt in Neu-Peking, lebt. Sie ist die beste Mechanikerin der statt und arbeitet jeden Tag auf dem Marktplatz in ihrem Beruf, zusammen mit ihrer Androiden-Freundin. Das alles wäre ja gut und schön aber leider ist Cinder eine Cyborg, das heist, das nicht alles an ihr menschlich ist, sondern einige Teile ihres Körpers durch mechanische Teile ersetzt wurden. Leider haben Cyborgs aber in der Gesellschaft gar kein hohes Ansehen, im Gegenteil. Cinder zählt als Besitz ihrer sie verabscheuenden Stiefmutter und alles, was sie verdient, wird an diese Frau weitergegeben.
Eines Tages findet sich der Sohn des Kaisers, Prinz Kai an Cinders stand ein und bittet sie, seine Androidin zu reparieren, sie funktionierte von einem Moment auf den anderen einfach nicht mehr.
Doch dann erkrankt Cinders kleine Stiefschwester, ihre einzige menschliche Freundin an Letumose und ihre Stiefmutter, die Cinder die Schuld daran gibt, meldet die junge Cyborg als "Freiwillige" für die Tests zum Gegenmittel an. Und diesen Virus hat bis jetzt noch niemand überlebt. Weder Mensch, noch Cyborg. Und was wird jetzt aus Prinz Kai und seiner Androidin mit wichtigen geheimen Informationen?


Ich habe mich mit dem Gedanken ans Lesen gemacht, dass ich vor mir ein Buch liegen habe, welches ein Märchen neu erzählt. Ich dachte, dass ich einer modernen Cinderella begegne, die auf irgendeine Androiden-Fee trifft, sich in einen Prinzen verliebt und sie am Ende Friede-Freude-Eierkuchen heiraten. Aber Pustekuchen. Da hab ich wohl falsch gedacht! Ich finde die Idee super, die Geschichte um Cinder(Ella/Aschenputtel) auf einem Märchen basieren zu lassen. Aber dieses Buch gibt vielmehr, als nur das. Es ist keine bloße Neuinterpretation einer alten Geschichte, es ist etwas komplett anderes, etwas neues und sehr kreatives.
Schon auf den ersten Seiten findet man sich in mitten einer neuen Welt wieder, umgeben von lauter seltsamen Dingen: Cyborgs, Androiden, Netlinks und Portscreens. Doch die Autorin versteht sich darin, den Leser nach und nach so mit unterschwelligen Informationen zu versorgen, dass man sich schnell in der neuen Welt heimisch fühlt.  Ihr Schreibstil ist besonders. das merkt man von Anfang an. Leicht, flüssig, authentisch, das sind Adjektive, die einem einen Eindruck der Autorin geben.
Die Geschichte wird hauptsächlich aus der Sicht Cinders erzählt, einige Kapitel aber auch aus Prinz Kais.
Aber nicht nur der Schreibstil der Autorin ist wirklich hübsch, sondern auch ihre Fähigkeit der Protagonistin ein authentisch wirkendes Leben zu verleihen. Da wäre zum einen Cinder. Die Cyborg, die sich nichts mehr wünscht als normal zu sein, die ihre Eltern verloren hat, adoptiert wurde und deren Stiefvater kurz darauf an Letumose starb.... Deshalb lebt sie jetzt mit einer Stifmutter, der ihr an allem die Schuld gibt und zwei Stiefvschwestern in einer Stadt, die Cyborgs verabscheut. Es ist so herzzerreißend, wie ihre Situation geschildert wird, und gleichzeitig wirkt Cinder unglaublich lebensfroh und wirklichkeitsnah mit all ihren Fehlern. Sie ist keine 0815-Protagonistin, sondern etwas ganz besonderes. Und auch Prinz Kai ist ein Sympathieträger. Er ist so ganz anders als man sich einen Prinzen vorstellt, offen, liebenswürdig und manchmal ein bisschen naiv.
Was mir besonders gefallen hat an der Geschichte ist das Setting. Ich finde des eine tolle Idee ein Science-Fiction Szenario mal nicht in den USA stattfinden zu lassen, sondern in Asien, genauer in (Neu-)Peking. Auch die futuristische Welt mit lstlich beschriebenen Elementen in der Umgebung ist toll beschrieben und wenn ich an manchen Stellen die Augen schließe, dann sehe ich eine gold-silberne Stadt im Sonnenaufgang, mit glänzenden Bildschirmen und goldenen Drachen.
Das einzige, was mich ehrlich gesagt sehr gestört hat, war, dass die Geschichte leider sehr vorhersehbar ist. Das Ende war mir schon ungefähr auf Seite 50 so gut wie klar. Das ist sehr Schade und ich wünschte mir, die Autorin hätte weniger für den geübten Leser zu einfach zu entdeckende Hinweise eingebaut. Mir fehlte einfach der Überraschungseffekt! Jetzt kann man argumentieren, dass das bei Märchen eben so ist, aber Cinders Geschichte ist eben nicht einfach ein Märchen, sondern ein Roman, der ein Märchen als Ausgangspunkt gesetzt hat...
Dieser Kritikpunkt ist leider sehr groß. Und obwohl das Buch sich mir als unglaublich authentisch und kreativ erwiesen hat, konnte mich die Geschichte deswegen nicht zu 100% überzeugen, sondern vielleicht nur zu etwa mmmmmh, sagen wir 92%
Ein weiteres lobendes Wort muss ich dennoch an das Cover richten. Mir gefallen die silbernen Schuhe sehr gut. Ich hätte mir nur vielleicht noch eine kleine Cyborg Figur am Rand gewünscht, dann wäre es perfekt gewesen. Wenn man den Schutzumschlag abnimmt ist das Buch übrigens vollkommen schwarz mit einem silbern geprägten Schuh in der Mitte der Frontseite, das fand ich ein sehr nettes kleines Detail.

Das Buch ist für alle Fantasy-, Science-Fiction- und Märchen-Fans empfehlenswert. Es ist eine kreative und authentische Geschichte in einer wunderbar interessanten Welt. Die Protagonisten wurden herzallerliebst entworfen und das Cover ist ein Schmuckstück in jedem Bücherregal. Dennoch bekommt das Buch von mir "nur" 4 von 5 Sternen, weil ich es nicht so schön fand, dass die Geschichte so vorhersehbar ist und ich schon so früh wusste, wie es endet. Dennoch möchte ich unbedingt mehr über diese Welt erfahren! Band 2 ist schon auf meiner Wunschliste!


Marissa Meyer liebt Fantasy, Grimms Märchen und Jane Austen. Sie hat Kreatives Schreiben mit dem Schwerpunkt Kinderliteratur studiert und lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Katzen in Tacoma, Washington. Die vier Bände der "Luna-Chroniken" sind ihr Debüt als Schriftstellerin.
Foto: © privat

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