Rezension: Sam und Emily - Kleine Geschichte vom Glück des Zufalls von Holly Goldberg Sloan









Ist es Schicksal oder Zufall, wenn ein Augenblick entsteht, der unvergesslich ist? Sam Border ist immer auf der Flucht. Wenn es einen Gott gibt, dann hat der schon vor langer Zeit beschlossen, ihn im Stich zu lassen. Emily Bell sammelt die Geschichten anderer Menschen. An nichts glaubt sie so fest wie an das Schicksal. Als Sam und Emily einander zum ersten Mal begegnen, wissen sie, dass sie zusammengehören. Doch das Schicksal ist launisch. Die eigene Vergangenheit lässt sich nicht so einfach abschütteln. Und Glück und Unglück liegen nah beieinander.


Das Cover ist ein kleines Kunstwerk und der eigentliche Grund weswegen ich das Buch Anfang des Jahres in der weißen Buchwoche der Meyerschen in die Hand genommen und letztendlich auch gekauft habe. Das Ganze gibt mir ein Gefühl von Spätsommer, Wildnis, Waldgeruch und Glück, wie ich im Nachhinein sagen kann. ein absolut passendes Gefühl für das Buch.

Schon nach der ersten Seite fühlte ich mich wie in einem französischen Film. Ich weiß gar nicht warum und wie genau ich das beschreiben soll. Man lernt erst Sam und dann auch Emily kennen, erst ohne den Namen zu nennen, viel die Umgebung beschreibend und sehr szenisch. An sich macht der Einstieg aber Lust aufs Weiterlesen


Wie die beiden Protagonisten heißen ist einfach zu erraten: Sam und Emily, zwei Jugendliche an der Schwelle zum Erwachsen sein.
Sam ist alles andere als gewöhnlich. Sein Vater, der sich mit Kleindiebstählen über Wasser hält, hat ihn und seinen kleinen Bruder von ihrer Mutter, die kurz darauf starb (wovon die Kinder nichts wissen), entführt und reist seit über zehn Jahren mit ihnen durch die ganze USA. Immer wenn man dem aggresiv und neurotischem Erwachsenen auf die Schliche kommt, fahren die drei weiter. Sam musste sich schon immer um sich und seinen Bruder kümmern, die klauben essen aus Mülleimern zusammen und waren noch nie auf einer Schule. Sam flüchtet sich aus der Realität durch die Musik, sein kleiner Bruder durch das Zeichnen. Die beiden hatten ein schweres Leben, doch eines Tages begegnet Sam Emily...
Emily ist eigentlich ein recht normales Mädchen. Sie lebt in einem hübschen Haus mit ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder sowie dem Hund Felix. Die Familie ist sehr verständnis- und liebevoll, der Vater Musiklehrer, die Mutter Krankenschwester. Doch innerlich ist Emily auch gleichzeitig irgendwie anders. Sie kann mit den Jungs auf ihrer Schule nicht viel Anfangen, findet die meisten oberflächlich und einfach ein wenig langweilig. Doch dann lernt sie Sam kennen...
Neben den beiden Protagonisten lernt man noch eine groooooße Vielzahl anderer Charaktere kennen aus deren Sicht die Geschichte auch teilweise erzählt wird. Anders als in einem normal geschriebenen Buch erfährt man in einem kurzen Abschnitt meistens auch was eigentlich weiter mit den Personen geschieht, das fand ich schön, denn jeder hat sein Schicksal, auch die Randfiguren.
Ich fand die Charaktere allesamt liebevoll gestaltet, man hat ihre Handlungsmotive gut verstanden und konnte sich gut in alle hineinfühlen.

Die Handlung ist schön. Mitten aus dem Leben gegriffen und gleichzeitig auch wieder nicht. Es ist ganz klar eine Liebesgeschichte, manchmal vielleicht auch ein bisschen klischeebehaftet und kitschig, aber gleichzeitig auch schön und sehr spannend. Die Spannung kommt in so vielen Liebesgeschichten zu kurz, hier glücklicherweise nicht. Das ganze wird sehr szenisch erzählt, immer wieder mit kleineren Sprüngen in den Geschehnissen, das stört aber nicht beim Verständnis. Man fiebert sehr mit den Protagonisten mit und möchte durch die Perspektivenwechsel immer wissen wie es mit dem anderen weitergeht.

Der Schreibstil wird wahrscheinlich recht zwiegespalten aufgenommen. Eins ist er ganz bestimmt: Besonders.
Wie gesagt wird die Geschichte in Szenen erzählt. Immer aus unterschiedlichen Perspektiven. Das gibt dem ganzen einfach einen touch "französcicher Film" a la Amelie. Ich weiß jetzt gar nicht genau wie ich das ´beschreiben soll. Irgendwie hatte ich ständig die Musik dieses Films im Kopf XD

Der Schluss ist zwar schön, aber für mich in Gewisser Weise der schwächste Teil des Buches. Ich war nicht mit allen Elementen einverstanden, das ist ja an sich nicht schlimm, aber ein anderes Ende mit ein paar mehr Seiten, dass das Ganze ein wenig ausgearbeiteter erzählt hätte mich wahrscheinlich glücklicher zurückgelassen.


Alles in allem ist das Buch eine ansprechende und schöne Liebesgeschichte, man fühlt sich durch die szenischen Erzählungen wie in einem französischen Film, das gibt dem Buch einen besonderen und verträumten Touch und hat mir sehr gut gefallen. Der Schreibstil ist von vielen kurzen Abschnitten und zahlreichen Perspektivenwechseln geprägt, die aber in keiner Weise verwirren, sondern einfach ein besonderes Feeling ausmachen. Die Charaktere sind liebevoll gestaltet, nicht nur die Protagonisten sondern auch die Randpersonen. Der Schluss konnte mich aber leider nicht ganz überzeugen und ich bin mir im Nachhinein betrachtet auch nicht sooo sicher, dass das Buch noch lange im Gedächtnis bleibt, auch wenn es mir durchaus gut gefallen hat.
Deswegen gibt es von mir 4 von 5 Budgies.




Holly Goldberg Sloan wurde in Ann Arbor, Michigan geboren und hat ihre Kindheit in Kalifornien, den Niederlanden, der Türkei, Washington D.C. und Oregon verbracht. Nach ihrem Studium arbeitete sie in New York bei einer Werbeagentur, wo sie begann zu schreiben, wenn niemand hinsah. Ein Jahr später zog sie nach Los Angeles und verkaufte mit 24 Jahren ihr erstes Drehbuch an Paramount Pictures. Sie schrieb weiterhin, aber verdiente ihren Lebensunterhalt in der Wirtschaftswerbung als Produktionsassistentin, Produzentin und Regisseurin. Holly Goldberg Sloan hat acht erfolgreiche Filmdrehbücher geschrieben, unter anderen für Walt Disney, Universal Pictures und MGM. Ihren Roman Sam und Emily – Kleine Geschichte vom Glück des Zufalls bezeichnet sie als das bereicherndste Werk ihrer Karriere. Holly Goldberg Sloan lebt mit ihrer Familie in Santa Monica, Kalifornien.


Kommentare:

  1. Haha, die Idee mit dem Rezensiogramm ist ja genial! Es verdeutlicht echt super, was dir gut gefallen hat und was nicht bzw. mittelmäßig.
    Find ich echt klasse :D.

    Und bei "Sam und Emily" muss ich dir auch zustimmen. Der Stil hat mir unglaublich gut gefallen, nur war das Ende viel zu plötzlich und war auch so abrupt vorbei, nach dem es ja vorher erst noch eine richtige Abenteuergeschichte wird.

    Schön, dass wir einer Meinung sind :)!

    LG Clärchen

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  2. Hallo Anja,

    was für eine schöne, ausführliche und ehrliche Rezension. Hat mir sehr gut gefallen und das Buch werde ich direkt auf meine Wunschliste setzen!

    Liebe Blubbergrüße
    Anka

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  3. Huhu,
    wie Clärchen finde ich dein Reziongramm richtig gut! Auch das es gleich oben vor der eigentlichen Rezension ist. So bekommt man gleich einen guten Eindruck darüber wie das Buch bei dir angekommen ist.
    Auch so gefällt mir die Art wie du deine Rezenis schreibst.
    LG Chia

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  4. Wow, das ist eine wundervolle Rezension, wundervoll. Und ich liebe es, wie du sie aufteilst und gestaltest, da steckt so viel Liebe drinnen..ach :) glg franzi

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  5. Eine ungewöhnliche und kreative Bewertung :) Alles auf einem Blick! Wirklich grandios!

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