Hörbuchrezension: Alles - worum es geht von Janne Teller

Vielen Dank an den Egmont-Hörverlag für dieses Rezensionsexemplar
Was bringt einen jungen Mann dazu, grundlos Gewalt anzuwenden? Kann man Intoleranz und Extremismus verstehen? Ist Rache ein gutes Motiv? Können gute Absichten einen Mangel an Verständnis ausgleichen? In ihrem neuen Jugendbuch stellt Janne Teller wieder unbequeme Fragen und führt unsere Vorstellungskraft dahin, wo es wehtut. Mit eindrücklicher Schärfe und Intensität, knapper Syntax und assoziativer Kraft erzählt sie acht Kurzgeschichten über Vorurteile und Intoleranz, Mord und Todesstrafe, Identität und geistige Behinderung, Integration und kulturelle Unterschiede, Träume und Irrtümer. Sie zwingt uns, Stellung zu beziehen, und fordert zum Nachdenken und Diskutieren über unsere Gesellschaft auf. 


Das Cover finde ich super, es ist absolut das Gegenteil von "Nichts" mit seinem blanken Cover. Alles, bunt, das Gegenteil von nichts". Ich wusste sofort als ich nur den Titel "Alles" gelesen habe, dass es von der gleichen Autorin wie "Nichts" sein muss. Das mag ich! Außerdem hat es Sommerfarben ;) Super passend zum Wetter.

Zuersteinmal muss ich sagen, dass es sich hierbei um Kurzgeschichten handelt, es gibt also keinen direkten Einstieg in die Geschichte, sondern viel mehr in das Werk an sich. Dieser Einstieg in das Hörbuch viel mir schwer, ich fand die erste Geschichte sehr verwirrend, denn sie ist in Form eines Interviews verfasst, in das man quasi hineinfällt. Ich wusste nicht worum es geht, deswegen hat es mich nicht sehr gefesselt und ich dachte nur "Owei". Es wäre besser gewesen den Einstieg mit einer anderen Kurzgeschichte zu gestalten um die Aufmerksamkeit des Lesers zu bekommen.

Die Charaktere sind sehr unterschiedlich, manche sind außergwöhnlich, haben psycische oder soziale Probleme, andere wirken wie ganz normale Menschen in einem ganz normalen Umfeld. Sie sind aus unterschieldichen sozialen Schichten, unterschiedlicher Abstammung. Das fand ich toll, denn so bekommen die Geschichten Vielfalt. Außerdem liebe ich es, wie es die Autorin schafft die Charaktere in so kurzer Zeit so gut vorzustellen, dass man mitfühlt, dass man sie und ihre Handlungsmotive versteht.

Das Hörbuch ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, was sie alle gemeinsam haben findet an entweder selber heraus, oder die Autorin sagt es einem im Nachwort ;) Sie alle haben philosophische Aspekte, genau wie "Nichts". Dennoch ist das Hörbuch ganz anders als dieses Buch der Autorin. Ich muss zugeben, dass manche Kurzgeschichten toll waren, andere mir leider gar nicht gefallen haben. Es war ein ständiges Up and Down. Manche Dinge konnte man sich gut vorstellen und mitfühlen, andere schienen mir an den Haaren herbeigezogen, deswegen bin ich auch sehr unsicher wie ich diesen Punkt bewerten soll.

Der Schreibstil variiert stark, das liegt daran dass die Geschichten aus der Sicht ihrer Protagonisten erzählt werden, und der ist zwar meistens jung, aber immer anders. Dieses Hineinversetzen in die verschiedenen Charaktere gelingt der Autorin wirklich gut, aber mir leider nicht immer...


Zu Beginn fand ich die Sprecherin leider gar nicht gut, bei der ersten Kurzgeschichte mit dem Interview war mir manchmal einfach nicht klar was der Interviewer und was der Junge sagt, es hätte mir ein bisschen mehr Spiel mit der Stimme gut gefallen, die Verwirrung ist zwar bei den anderen Kurzgeschichten nicht mehr so schlimm, aber die Kritik bleibt, wenn auch in abgeschwächter Form.

Der Schluss der Geschichten an sich ist häufig offen, das stört aber nicht weiter, denn so regt die Geschichte zum Nachdenken an, was ja auch ein Ziel der Autorin darstellt. Besonders das Nachwort der Autorin mit ihren Erläuterungen hat mit gut gefallen und mir vieles klarer werden lassen, es ist auf jeden Fall sinnvoll sich auch dieses noch anzuhören (auch wenn man es sonst gerne überspringt) ;)

Diesem zweiten Buch von Janne Teller stehe ich kritischer gegenüber als dem ersten. Manche der acht Kurzgeschichten sind wirklich toll, viele aber leider auch langweilig oder einfach nicht nachzuvollziehen, weshalb auch der Einstieg sehr schwer fällt. Der Schreibstil ist auf hohem Niveau und man merkt ihm ein enormes Einfühlungsvermögen der Autorin an! Die Sprecherin ist in Ordnung, aber ich hätte mir mehr Spiel mit der Stimme gewünscht, so war es etwas eintönig.
Ein Hörbuch mit Ecken und Kanten, leider nicht ganz rund, aber durchaus hörenswert, vor allem wenn man Kurzgeschichten mag oder sich bereits "Nichts" derselben Autorin durchgelesen hat.


Eigentlich ist Janne Teller studierte
Makroökonomin und arbeitete jahrelang für die Vereinten Nationen in Konfliktgebieten. Doch 1995 entschied sich die am 8. April 1964 in Kopenhagen geborene Autorin ganz für die Literatur. Vier Jahre später erschien ihr gefeiertes Debüt "Odins Insel", eine moderne Sage. Als 2000 ihr Jugendbuch "Nichts" in Dänemark herauskam und die Autorin dafür 2001 den "Dänischen Kinderbuchpreis" erhielt, entbrannte eine heftige Kontroverse. Der Streit drehte sich um die Frage, ob das Buch jungen Lesern zu viel zumutet. Der Grund: drastische Szenen, in denen Schüler verschiedene Opfer bringen müssen und schließlich einen Klassenkameraden lynchen... Teller lebt in New York, Paris und Kopenhagen.

Kommentare:

  1. Huhu :)
    Jetzt war ich schon öfter auf deinem Blog und mir ist erst heute aufgefallen, dass ich noch gar nicht Leser bin :O
    *schnell nachgeholt*

    Ich liebe deinen Aufbau der Rezensionen *-*
    Das sieht einfach richtig schick aus :)

    Ich müsste auch mal ein Hörbuch hören, habe bisher immer nur gelesen :)
    Besonders toll finde ich ja dein Rezensiogramm :D
    Da bist du auf eine klasse Idee gekommen! :)

    Liebe Grüße, Nenya

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  2. Huhu!

    Ich weiß nicht warum, aber ich glaube, ich kannte deinen Blog bislang gar nicht, dabei ist er echt schön! :)

    "Nichts" hat mir damals leider nicht wirklich gefallen. Ich fand es viel zu nichtssagend und gewollt. "Alles" interessiert mich jetzt aber irgendwie doch und das, obwohl mir Kurzgeschichten eigentlich nicht so zusagen *G* Mal sehen, vielleicht bekomme ich es ja mal in die Finger *G*

    GlG!

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