Rezension: Vor uns die Nacht von Bettina Belitz


Eine Liebesgeschichte voller Hingabe, Sinnlichkeit und großer Gefühle - der neue Roman von der Erfolgsautorin der Splitterherz-Trilogie. Sie hassen sich, wenn sie miteinander reden. Und sie lieben sich, wenn sie sich berühren. Sicher ist nur eins: Seit Ronia Jan getroffen hat, ist nichts mehr wie zuvor. Seit sie ihn das erste Mal gesehen hat, muss sie jeden Freitag zurückkehren. Abends. An den Fluss. Wenn es dort still und einsam ist. Hier, so hofft sie, wird sie ihn wiedersehen ... Niemand hat die 21-jährige Studentin Ronia bisher so fasziniert wie der rebellische Jan, der keine Konventionen kennt. Ronia und Jan kommen aus völlig verschiedenen Welten und fühlen sich doch magisch voneinander angezogen. Auch wenn Ronia zunächst dagegen ankämpft – es ist zwecklos, sie kann sich dem rätselhaften Jan nicht entziehen. Da sie jedoch einige bittere Enttäuschungen hinter sich hat, möchte sie diesmal alles anders machen: keine Träumereien, keine Versprechen, keine Liebesschwüre – sie will die Zügel in der Hand behalten. Und so beginnt ein hochexplosives, hingebungsvolles und nervenaufreibendes Spiel …

 

Das Cover ist absolut hinreißend, wunderschön, geheimnisvoll mit seinem dunklen Blau und den aus weißen und hellblauen Linien bestehenden Blumen. Ein richtiges Kunstwerk, ich würde es mir ausgedruckt an die Wand hängen (passt sogar super zu meinem hellblauen Schlafzimmer!). Eins muss man dem Script 5 Verlag absolut lassen: Die Cover sind die besten!

Der Einstieg fiel mir gar nicht schwer. Was ich vor allem bei den Büchern von Bettina Belitz mag ist der Mini-Prolog, der immer kunstvoll ist und mitten aus dem Buch genommen ohne viel zu verraten. Einfach klasse! Das Leben von Ronia ist durchschnittlich, sie ist Studentin, man lernt ihre Familie kennen, ihre Freunde. Doch ganz so einfach soll es für sie nicht bleiben, denn sie lernt Jan kennen...

Die Protagonistin war mir zu Beginn sehr sympathisch, sie ist eine ganz normale 21-Jährige Archäologie-Studentin mit tollen Freunden und einer netten Familie, die in der Kirche engagiert ist. So etwas kenne ich auch aus meinem persönlichen Umfeld und so konnte ich ihre Wünsche und Sehnsüchte gut verstehen.  Doch während des Buches wird sie mir immer unsympathischer, immer weniger sie selbst und das wird auch zu Ende leider nicht aufgehoben. Jan fand ich zwar nett, aber (wie vielleicht auch die Protagonistin) konnte ich ihn einfach nie richtig durchschauen. Auch nicht nach Ende des Buches. Er ist wie Milchglas, man sieht immer nur eine Ahnung des tatsächlichen. Seine Beweggründe fand ich schlecht nachvollziehbar und auch die Gerüchte um ihn herum erschienen mir einfach zu weit hergeholt.
Die Nebencharaktere waren eher weniger in die Handlung involviert, deswegen kam natürlich auch dort kein tiefgründiger Charakter zu Stande.

Es fällt mir sehr schwer dieses Buch zu bewerten. Ich habe den Einstieg geliebt, die wunderbar beschriebenen Kennlern- und auch leichte Erotikszenen (sehr schön beschrieben) ließen ein prickelndes Gefühl zurück. Wenn es doch nur so schön weitergegangen wäre... Der ersten Hälfte des Buches hätte ich gerne Maximalwertung gegeben. Doch nach und nach kam es, dass ich die Meinung der Autorin immer weniger nachvollziehen konnte. Ich fand, dass die obsessionelle Liebe Ronias, die ja eigentlich beabsichtigt war zu zeigen, gar nicht wirklich obsessionell ist, sondern einfach nur eine gewöhnliche Verliebtheit darstellt, so wie  man sie tagtäglich sieht. Ist es wirklich obsessionell immer zu einer bestimmten Stunde laufen zu gehen weil man hofft seinem Schwarm zu begegnen? Oder ist es das schon wenn man ständig auf Nachrichten des anderen wartet?  Ist es falsch mit dem anderen in einem Bett schlafen zu wollen?
Ich fand, dass Belitz hier gegen ein verbreitetes Beziehungsmodell wettert, dass hat mich ein wenig geärgert, denn ich finde, dass man sich niemals erlauben kann über eine Beziehung zu richten! Und ich fühlte genau das! Die Handlung wurde nach und nach immer schlechter, immer unrealistischer und abstruser und das hat mich sehr geärgert, denn der Anfang war so vielversprechend... Ich bin immer noch traurig deswegen.

Der Schreibstil ist einfach traumhaft, genauso gut wie man ihn von Bettina Belitz kennt. Sie schafft es, dass man sich sehr gut in die Geschichte einfindet. Ich genieße ihre künstlerische und besondere Art zu schreiben immer sehr! Wenn nur nicht die Barrieren durch die Handlung bestünden...

Der Schluss lässt mich absolut unbefriedigt zurück. Mir kamen die gegebenen Erklärungen für die Geschehnisse einfach absolut unzureichend vor und ich konnte sie nicht nachvollziehen. Ich möchte nicht die gefundene Lösung des Beziehungsmodells von Jan und Ronia kritisieren, denn es ist schön, wenn ein paar eine nicht ganz konventionelle Lösung findet, ich finde es gut wenn Autoren nicht immer auf dasselbe 0815 Modell zurückgreifen, was mich jedoch stört sind die vielen unbeantworteten Fragen.
 
Es fällt mir schwer eine abschließende Bewertung für dieses Buch zu schreiben. Splitterherz hat mir ja sehr gut gefallen und so habe ich mich sehr auf "Vor uns die Nacht" gefreut. Den Einstieg mit dem kleinen "Belitz-Prolog" fand ich toll, doch nach und nach konnte ich immer weniger Verständnis für die Handlung aufbringen. Ich finde, dass die Besessenheit der Beziehung schlecht bis gar nicht rüberkommt und das konventionelle Beziehungsmodelle kritisiert werden, das gefällt mir gar nicht, denn ich finde dass man überhaupt kein Beziehungsmodell kritisieren sollte, sei es konventionell oder unkonventionell. Auch den Schluss fand ich sehr unbefriedigend, die Erklärungen unzureichend und die offenen Fragen quälend. Der Schreibstil hingegen ist genauso gut wie eh und je. Künstlerisch und wundervoll. Alles in allem gebe ich wegen des grandiosen Einstiegs und wunderbarer Szenen bis ins Mittelteil genauso wie dem guten Schreibstil und dem hübschen 2,5 von 5 Budgies. Für mehr reicht es durch die vielen Mängel in der Handlung leider nicht.

Bettina Belitz, Jahrgang 1973, wuchs in Heidelberg zwischen unzähligen Büchern auf und verliebte sich schon früh in die Magie der Buchstaben. Lesen alleine genügte ihr dabei nicht – nein, es mussten auch eigene Geschichten aufs Papier fließen.
Nach dem Studium der Geschichte, Literaturwissenschaft und Medienwissenschaft arbeitete Belitz als Journalistin für verschiedene Tageszeitungen, bis sie ihre Leidenschaft aus Jugendtagen zum Beruf machte und Autorin wurde.
Bettina Belitz lebt, umgeben von Pferden, Schafen, Katzen und Hühnern, in einem 400-Seelen-Dorf im Westerwald und lässt sich von der Natur und dem launigen Wetter zu ihren Romanen und ihrem unterhaltsamen und informativen Schreibwerkstatt-Blog inspirieren.

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