Rezension: "Zirkusmagie" vonn Hannah Siebern

Vielen Dank an Impress für das Rezensionsexemplar
Die siebzehnjährige Jekaterina führt ein Doppelleben. Während sie im Winter als ganz normale Schülerin bei ihrer Großmutter lebt, reist sie im Sommer mit ihren Eltern quer durch Europa, versorgt exotische Tiere und lässt sich mit Messern bewerfen. Denn Jekaterina ist ein Zirkuskind. Für sie ist das Ungewöhnliche völlig normal. Doch als sie in Dublin dem gutaussehenden, aber auffällig altmodischen Ewan begegnet, scheint ihre Welt plötzlich Kopf zu stehen. Irgendetwas stimmt mit diesem Jungen nicht und irgendwie scheint seine Lebensgeschichte mit der ihren eng verbunden zu sein…


 Das Cover ist typisch Impress natürlich sehr gelungen. Das Zirkusmotiv steht stark im Vordergrund, aber es wirkt nicht bunt und lustig sondern vielmehr geheimnisvoll. Ich mag vor allem die sanften Rauten, die dem Cover etwas besonderes geben. Das Mädchen entspricht jedoch nicht ganz der Beschreibung in der Geschichte.

Der Einstieg ist sehr unheimlich. Es wird eine Episode aus dem Leben der Protagonistin erzählt, die  zu diesem Zeitpunkt ihren 13. Geburtstag feiert. Nach diesem sehr gelungenem und fesselnden Einstieg erfolgt ein Zeitsprung zu der jungen Frau, kurz vor dem Abitur. Einiges hat sich in ihrem Leben geändert, was vor allem an besagtem Vorfall liegt. Als Leser möchte man sofort wissen wie es weiter geht! Spannung pur!

Die Charaktere waren toll beschrieben, man lernt das Zirkusumfeld von Jekaterina sehr gut kennen und kann sich die einzelnen Charaktere im Zirkus wunderbar vorstellen. Jekaterina war mir sehr sympathisch. Ich fand es super, dass auch die "Bösen" nicht einfach schwarz-weiß gezeichnet waren, sondern Hintergründe und Motive hatten. Dieses Spiel mit Gut und Böse war realistisch und sehr gut inszeniert. Ich hätte allerdings manchmal gerne mehr über ihre Freundin in Deutschland gewusst, ihre Glaubwürdigkeit wirkte an manchen Stellen ein wenig konstruiert.

Die Handlung war durchweg sehr spannend und kreativ gestaltet. Vor allem hat mir gefallen, dass sie wirklich gut durchdacht war, es gibt für alles einen Grund. Manchmal habe ich mich allerdings gefragt ob Jekaterina eine Gedächtnisschwäche hat XD Begründungen wurden mehrfach wiederholt, weil sie gefragt hat obwohl es vorher schon erklärt worden war. Ich habe das Buch abends im Bett gelesen und obwohl es kein Horror Roman ist war es zeitweise doch ziemlich gruselig (ich musste das Licht anmachen als ich durch den Flur zur Toilette wollte, ich Angsthase hihi). Eine Stärke der Geschichte ist auch die Entwicklung der Charaktere.

Einen besonderen Punkt möchte ich hier noch anbringen. Dieses Buch ist ja glücklicherweise Fiktion! Die Geschichte spielt in einem Zirkus, der auch Tiere wie Elefanten und Löwen hält. Diese Form der Tierhaltung ist grausam und ich würde sie niemals in irgendeiner Weise unterstützen! Ich möchte euch darauf aufmerksam machen, dass Tierhaltung im Zirkus etwas schreckliches ist! Informiert euch!!!

Der Schreibstil ist absolut makellos. Die Geschichte ist klasse geschrieben und obwohl sie leicht zu lesen ist fand ich keine einzige Stelle zu umgangssprachlich oder zu holprig. Die Sprechweise wurde super an die Charaktere angepasst und der Wechsel zwischen den verschiedenen Sprachen ist gelungen.

Der Schluss ist in mancher Hinsicht keine große Überraschung, aber dennoch hält er die ein oder andere Wende bereit, die man so nicht erwartet. Es ist auf jeden Fall ein sehr schönes und gelungenes Ende. Eine Fortsetzung wäre möglich. Ich jedenfalls würde mich freuen.

Zusammengefasst konnte mich dieser Impress-Titel absolut begeistern. Er ist spannend und ein wenig unheimlich, womit er den Leser von der ersten bis zur letzten Seite in seinen Bann ziehen kann. Die Geschichte ist durchdacht, manche Wiederholungen waren jedoch zu viel und die ein oder andere Reaktion fand ich ein wenig unrealistisch. Das holen der tolle Schreibstil und ein schöner Schluss aber wieder raus. Was mir besonders gut gefallen hat war die Entfernung von der üblichen Schwarz-Weiß Malerei. Von mir gibt es deswegen 4 1/2 von 5 Budgies



Hannah Siebern, geboren 1986 in Münster,
studiert Pädagogik an der TU Dortmund und arbeitet ambulant bei einem Träger der Jugendfürsorge. 2011 veröffentlichte sie ihren ersten Fantasyroman, aus dem inzwischen eine 5-teilige Serie geworden ist. Die meisten ihrer Romane sind auf der Zugfahrt zur Uni entstanden, daher fürchtet sie sich jetzt schon davor eine Schreibblockade zu bekommen, sobald sie das Studium beendet hat. Zur Not muss dann ein neuer Grund fürs Zugfahren gefunden werden.

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