Rezension: Stoner von John Williams



John Williams erzählt das Leben eines Mannes, der, als Sohn armer Farmer geboren, schließlich seine Leidenschaft für Literatur entdeckt und Professor wird – es ist die Geschichte eines genügsamen Lebens, das wenig Spuren hinterließ.Ein Roman über die Freundschaft, die Ehe, ein Campus-Roman, ein Gesellschaftsroman, schließlich ein Roman über die Arbeit. Über die harte, erbarmungslose Arbeit auf den Farmen; über die Arbeit, die einem eine zerstörerische Ehe aufbürdet, über die Mühe, in einem vergifteten Haushalt mit geduldiger Einfühlung eine Tochter großzuziehen und an der Universität oft teilnahmslosen Studenten die Literatur nahebringen zu wollen. ›Stoner‹ ist kein Liebesroman, aber doch und vor allem ein Roman über die Liebe: über die Liebe zur Poesie, zur Literatur, und auch über die romantische Liebe. Es ist ein Roman darüber, was es heißt, ein Mensch zu sein. (Deutscher Taschenbuch Verlag)

Das Cover ürde ich in erster Linie bei einem Krimi erwarten, für mich wirkt der umrissene Scahtten eher wie ein Detektiv als ein Collegeprofessor, wie es der Protagonist ist. Im Nachhinein ist das Cover dennoch passend, das Verschwommene und Schattenartige spiegelt den Inhalt wieder. Das Cover hätte mich jedoch nicht auf das Buch aufmerksam werden lassen.

Der Einstieg in die Handlung wirkt ein wenig seltsam. Auf mich hat das Buch zu Beginn einen etwas verwirrenden und konfusen Eindruck gemacht, bei gleichzeitiger Gradlinigkeit. Der Leser weiß nicht in welche Richtung es geht, doch gerade deswegen ist der Einstieg sehr fesselnd und ich konnte das Buch vond er ersten Seite an kaum aus der Hand legen.

Der Protagonist ist ein sehr interessanter Charakter. Ok, eigentlich ist er selbst gar nicht so außergewöhnlich und spannend, aber im Zusammenspiel mit seienr Umgebung wird er das,d enn auch die ist geprägt von einzigartigen Persönlichkeiten, die allesamt eigene Motive verfolgen und eigene Ziele haben. Man hat nicht wie sooft in Büchern das Gefühl, dass die Charaktere um den Protagonisten eigens für ihn geschaffen wurden, sondern dass sie ganz unabhängig einfach exisitieren und sich ihr Lebensweg eben mit dem des Protagonisten schneidet. das ist eine seltene Kunst. Die Charaktere und ihre Entwicklungen wirken allesamt realistisch und spannend, wie ich es selten erlebt habe.

Die Handlung lässt sich sehr gut vergleichen mit einer Zugfahrt. Manchmal fliegt sie schnell und verschwommen an einem vorbei, wie die Landschaft wenn man im Zug aus dem Fesnter schaut. Doch immer wieder kehrt man zur nächsten Haltestelle ein, die Fahrt wird langsamer und man erkennt Details um sich herum, diese Ereignisse sind genau beschrieben nur um kurz darauf wieder in der Schnelligkeit zu verschwimmen. Stoners Leben ist eines mit Höhen und Tiefen. Keinen außergewöhnlichen Höhen und Tiefen, aber sie sind vorhanden. Und obwohl das Leben Stoners keine so außergewöhnlichen Ausschläge aufweist, ist die Handlung fesselnd und mitreißend, wie das leben selbst.

Der Schreibstil ist ein wenig ungewöhnlich. Er wirkt vor allem zu Beginn eher distanziert und wie eine Aneinanderreihung von kurzen Sätzen. Doch auch die Sprache entwickelt sich im Buch wie der Charakter des Protagonisten. Trotz der anfänglichen Distanziertheit werden Gefühle und Ereignisse im Sprachstil sehr genau wiedergespiegelt.

Der Schluss kommt nicht mit einem großen Knall, sondern mit einem eher sanften Ausklang. Obwohl man weiß, dass es bald enden muss, kommt er dennoch unvorhergesehen und ist dadurch ein wenig trautig und seltsam berührend. Nach dem Schluss habe ich eine Leere empfunden und mich gefragt: War es das? Diese Frage ist mir im Kopf geblieben. Sie ist aber keine negative, sondern eine positive Frage, sie hinterlässt nicht das Gefühl von Unabgeschlossenheit sondern von Nachdenklichkeit. Auch wenn der Leser das Buch aus der Hand legt ist die Geschichte noch lange nicht zu Ende.

Das Buch ist wie das wirkliche leben. Es ist realistisch, mit Höhen und Tiefen, es ist berührend ehrlich und ein wenig seltsam, auch wenn das leben des Protagonisten keine sehr ungewöhnlichen Ereignisse aufweist ist es fesselnd und besonders. Denn das leben ist besonders und spannend in all seinen Facetten. Das ist es, was ich aus diesem Buch als Bostchaft mitgenommen habe.






John Williams wurde im August 1922 in Clarksville, Texas geboren. Während des zweiten Weltkrieges war er Mitglied beim Army Air Corps. In dieser Zeit arbeitete er auch an seinem ersten Buch, das nach dem Krieg publiziert wurde. Später war er als Dozent an der Universität in Denver tätig. Zudem gründete er die Literaturzeitschrift "Denver Quarterly". Für sein letztes Buch "Augustus" - ein historischer Roman - wurde er mit dem National Book Award ausgezeichnet.


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